Archiv des Monats Mai, 2005
Neben der Spur
\hiesiger 14. Mai 2005Doch es ist nie zu spät – oder zu früh – Maitri, liebevolle Güte zu üben. Es ist, als hätten wir zwar eine tödliche Krankheit, könnten aber damit noch eine ganze Weile leben. Da wir nicht wissen, wie lange wir noch leben, kommt uns vielleicht der Gedanke, dass es ganz gut wäre, in den uns noch verbleibenden Stunden, Monaten oder Jahren mit uns selbst und anderen endlich Freundschaft zu schlißen. [...]Was Maitri so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass wir nicht versuchen, ein Problem zu lösen. Wir kämpfen nicht um Beseitigung von Schmerz oder darum, ein besserer Mensch zu werden. Tatsächlich geben wir jede Kontrolle auf und lassen Konzepte und Vorstellungen abfallen.[...] Wenn wir das tun, entdecken wir allmählich, dass Klarheit immer vorhanden ist. Inmitten der schrecklichsten Szenarios, des negativsten Selbstbildes, inmitten all unserer strengen Selbstverurteilungen ist immer noch offener Raum vorhanden.
Pema Chödrön, “Wenn alles zusammenbricht”, München 2001

