Denn im Sinn der christlichen Auffassung kann Übermenschlichkeit an Erkenntnis wie an Verhalten nur anhand eines Moralsystems verwirklicht werden, das das unablässige Opfer all dessen auferlegt, was man die allzumenschlichen Elemente der menschlichen Natur nennen könnte. Auf jener allzu menschlichen Ebene, auf der wir, wie es das Schicksal verfügt hat, zum größten Teil leben müssen, ob uns das nun gefällt oder nicht, sind diese Opfer Verstümmelungen. Diejenigen, die das christliche Ideal ernst nehmen, sehen sich unaufhörlich gezwungen, partiellen Selbstmord zu begehen.
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Denn an der Wurzel dieses Strebens, im Hinblick auf Erkenntnis und Verhalten mehr zu sein als bloß menschlich, finden wir letzten Endes eine Art Feigheit, die Weigerung, sich ? es sei denn verzweifelt, und das heißt mit den brutalsten mechanistischsten Mitteln ? auf die Dinge, die komplizierten, schwierigen Dinge des Lebens wirklich einzulassen. Denn was ist das Streben nach Erkenntnis, die über menschliches Maß hinausgeht, anderes als eine Flucht aus den unendlichen Vielschichtigkeiten und Varietäten der Erscheinungen?
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Das Ideal vollendeten Menschentums verlangt [im Gegensatz zum Ideal des Übermenschentums] von denen, die es sich zu eigen machen, nicht Selbst-Mord, sondern Selbst-Harmonie.
Aldous Huxley, 1929
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