Analyse und Kritik reiht genüsslich “bügerliche” Blickwinkel auf das Proletariat aneinander und enttarnt so einiges.
Beispiele:
“Sie gelten als Totalverweigerer”, so der Berliner Tagesspiegel (6.11.06) über Jugendliche, die sich nicht in die Hartz IV und Ein-Euro-Mühle pressen lassen wollen. Alarmierend seien die Zahlen, 10 bis 15 Prozent, teilweise gar 20 Prozent der Jugendlichen lehnen die amtlichen Jobangebote ab. Von 284 Jugendlichen, die zur Teilnahme an einem Qualifizierungsprogramm aufgefordert worden waren, sind 160 nicht erschienen. “Diese Jugendlichen wollen sich in keiner Weise unterordnen”, so ein Neuköllner Jugendamtsleiter. Es gebe eben diese Jugendlichen, die nicht gerne aufstehen. “An die heranzukommen, ist sehr schwierig.” Dabei ist das, was hier beunruhigt-empört als Verweigerung wahrgenommen wird, letztlich nur Ausdruck eines ausgeprägten Realitätssinns: Die Jugendlichen glauben den Versprechungen von Chancen und Integration durch Hartz IV einfach nicht, und das völlig zu recht. Dass sie sinn- und perspektivlosen Zwangsmaßnahmen fernbleiben, zeigt, dass sie klüger sind, als die bürgerliche Aufregung wahrhaben will.
oder
Nicht nur die Reichen, auch die Armen in Deutschland werden immer reicher, so Walter Wüllenweber vor zwei Jahren im Stern. (Stern, 52/2004) Die reale Spaltung verlaufe hier zu Lande nicht entlang wirtschaftlicher Linien, sondern “ist eine kulturelle Spaltung.” Die Unterschicht, so Wüllenweber, “verliert die Kontrolle, beim Geld, beim Essen, beim Rauchen.” Nicht etwa Armut macht krank: “Der schlechte Gesundheitszustand der Unterschicht ist keine Folge des Geldmangels, sondern des Mangels an Disziplin. Disziplinlosigkeit ist eines der Merkmale der neuen Unterschichtskultur.”
Quelle: ak 511: Die Rückkehr der Lumpen