Ganz allmählich begann er zu ahnen, daß er jahrzehntelang mit einem Irrtum gelebt hatte. Es war gar nicht wahr, daß Abgrenzung hieß, sich abzuschirmen und einzumauern wie in eine innere Festung. Worauf es ankam, war etwas ganz anderes: daß man, wenn die anderen es erfuhren, furchtlos und ruhig zu dem stand, was man im Innersten war. Und es kam Perlmann vor, als sei diese Einsicht auch der Schlüssel zur ersehnten Gegenwart, die stets so ungreifbar und flüchtig geblieben war wie eine Luftspiegelung.
Pascal Mercier, Perlmanns Schweigen, 1997
S. 566f
Fremdworte | Kein Kommentar »