Regy Clasen in (Roxy) Concert(s)
\hiesiger 20. Oktober 2007Das Roxy Concerts ist ja, wie berichtet, für skurrile Konzertevents berüchtigt. Dass nun aber die Lausch Lounge hier heute Station machte – naja, mittlerweile wird auch mit Bikertypen für Bausparverträge geworben. Aber als nun der Moderator vons Ganze, der Herr Michy Reinke de Luxe, auf die Bühne kam und das Publikum darüber informierte, dass es heute Musik zu hören bekäme, die jeden Einzelnen sensibler und gefühlvoller machen würde und dass wir alle gemeinsam durch unserer aufmerksames und hingebungsvolles Zuhören diesen Ort – und ich zitiere hier wörtlich – zu einer “heiligen Stätte” machen könnten, da wünschte ich mich mir Lou Koller zurück, der vor wenigen Wochen an gleicher Stelle das Aufspielen von Sick of it All mit einem urschreiartigenartigen “Let’s Roll” eröffnete.
Der anschließende Auftritt von Regy Clasen war einfach nur ein schönes Popkonzert und hat mich nicht wirchlich verändert. Aber es hat mich in sofern der Erleuchtung näher gebracht, als dass es mich von einigen Illusionen befreit hat: Frau Clasen ist ziemlich gedrungen und kompakt und sollte aufhören sich die Augenbrauen zupfen zu lassen. Aber sie brachte es wirklich fertig, ein wenig Andacht diese lärmgeschwängerten wenig heiligen Hallen zu bringen. Während des 45minütigen Auftritts war vor allem ihr sehr sparsames und differenziertes Klavierspiel beeindruckend, mit dem sie sich selbst begleitete. Scheinbar funktioniert ihre Musik um so besser, je reduzierter sie präsentiert wird. Während ihr erstes bei Sony erschienenes Album “So Nah” hörbar ein mittelprächtiges Produktionsbudget hatte, allerdings auch beim dritten und vierten Hören keinerlei Eindruck hinterlässt, bringt ihr zweites Album “Wie tief ist das Wasser”, im Heimstudio entstanden, Präzision und Emotion zueinander. Kein Ton zu viel.
Frau Clasen pflegte dieses Prinzip auch beim heutigen Konzert, so dass sich die wirklich schönen Melodien voll entfalten konnte. Allerdings auch nur dann, wenn sie sich möglichst nah an die eigenen Gesangslinien hielt. Sämtliche Phrasierungen, vor allem wenn sie in Richtung Soulgesang gehen sollten, misslangen. Aber ihre Lieder brauchen auch keine halsbrecherische Stimmakrobatik. Halt keinen Ton zu viel.
Das Beste am Abend war, dass Frau Clasen den Reigen eröffnete und ich mir alles was da noch zu erwarten war an mehr oder weniger gediegener Hamburger Szene ersparen und zufrieden nach Hause fahren konnte.
May I take a picture?