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Archiv des Monats Dezember, 2007

Eine Kultur des Hinsehens

\hiesiger 31. Dezember 2007

Laut NDR Info hätte Frau Merkel in ihrer Neujahrsansprache mehr Aufmerksamkeit bei Kindesmisshandlung gefordert.
Das finde ich auch.
Hit where it hurts, sonst bringt’s das doch nicht.

404

\hiesiger 30. Dezember 2007

Sehr schöne 404 Meldung.

Life after God

\hiesiger 30. Dezember 2007

Das ständig eingeschaltete Radio war voller Liebeslieder und Rockmusik; der Rockmusik schenkten wir Glauben, aber den Liebesliedern, denke ich, glaubten wir nicht, weder damals noch heute. Wir führten ein paradiesisches Leben, und somit war jegliche Diskussion über transzendentale Ideen hinfällig. Wir nahmen an, dass Politik irgendwo in einem nicht fernsehübertragenen Nicht-Paradies existierte; der Tod war so etwas ähnliches wir Recycling.
Das Leben war voller Zauber, aber ohne Politik und Religion. Es war das Leben der Kinder von Kindern der Pioniere – ein Leben nach Gott – ein Leben irdischer Erlösung am Rande des Himmels. Vielleicht ist dies das Herrlichste, nach dem wir streben können, ein Leben voller Frieden ,der verschwommene Bereich zwischen erträumten und wahrem Leben – doch ich muss feststellen, dass ich diese Worte voller Zweifel sage.
Ich denke, irgendwo auf der Strecke sind wir übers Ohr gehauen worden. Ich denke, der Preis, den wir für dieses goldene Leben zu zahlen hatten, war die Unfähigkeit, voll und ganz an die Liebe zu glauben; statt dessen hatten wir uns eine Ironie zu gelegt, die alles, was sie berührte versengte, und ich frage mich, ob diese Ironie der Preis ist, den wir dafür zahlten, dass wir Gott verloren.
Aber dann muss ich mir wieder selbst vor Augen führen, dass wir lebendige Geschöpfe sind; wir verfügen über religiöse Impulse – es kann nicht anders sein -, doch in welchen Spalten versickern diese Impulse in einer Welt ohne Religion? Darüber denke ich jeden Tag nach. Manchmal glaube ich, es ist das einzige, worüber ich nachdenken sollte.
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Netscape verstorben

\hiesiger 29. Dezember 2007

AOL verkündet, dass ab dem 01.02.2008 Netscape Navigator nicht mehr weiterentwickelt wird.
Hm, schon lange kein guter Browser mehr. Aber wie Martin sagt: “Den mochte ich im 20. Jahrhundert ganz gern.”

U-U-U-S-A

\hiesiger 29. Dezember 2007

In einer Kultur, die sich gegen Selbstaufklärung abdichtet, steigt die Innentemperatur. Man kann das Nestwärme nennen. Wenn die Angst vor der Freiheit und der metaphysischen Obdachlosigkeit Panikgefühle wachruft, dann kann das warme Nest zum Siedekessel werden.

Rüdiger Safranski in “Nietzsche. Eine Biografie seines Denkens.” Frankfurt am Main 2002 S. 193

Weihnachtsabend

\hiesiger 24. Dezember 2007

Wer nur einigermaßen zur Freiheit der Vernunft gekommen ist, kann sich auf Erden nicht anders fühlen, denn als Wanderer, – wenn auch nicht als Reisender nach einem letzten Ziele: denn dieses gibt es nicht. Wohl aber will er zusehen und die Augen dafür offen haben, was alles in der Welt vorgeht: deshalb darf er sein Herz nicht allzufest an alles Einzelne anhängen; es muss in ihm selber etwas Wanderndes sein, das seine Freude an dem Wechsel und der Vergänglichkeit habe. Freilich werden einem solchem Menschen böse Nächte kommen, wo er müde ist und das Tor der Stadt, welche ihm Rast geben sollte, verschlossen findet; [...] Dann sinkt ihm wohl die schreckliche Nacht wie eine zweite Wüste auf die Wüste, und sein Herz wird des Wanderns müde. [...]
… aber dann kommen, als Entgelt, die wonnevollen Morgen anderer Gegenden und Tage, wo er schon im Grauen des Lichte die Musenschwärme im Nebel des Gebirges nahe an sich vorübertanzen sieht, wo ihm nachher, wenn er still, in dem Gleichmaß der Vormittagsseele, unter Bäumen sich ergeht, aus deren Wipfeln und Laubverstecken heraus lauter gute und helle Dinge zugeworfen werden, die Geschenke all jener freien Geister, die in Berg, Wald und Einsamkeit zu Hause sind und welche, gleich ihm, in ihrer bald fröhlichen, bald nachdenklichen Weise, Wanderer und Philosophen sind. Geboren aus den Geheimnissen der Frühe, sinnen sie darüber nach, wie der Tag zwischen dem zehnten und zwölften Glockenschlage ein so reines, durchleuchtetes, verklärt heiteres Gesicht haben könne [...].

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches Band I, 638. Aphorismus

So much for pathos.